
Viele Kinder leiden an den Folgen von Klimawandel und Umweltzerstörung – auch in Deutschland. Dennoch wird dieser Zusammenhang oft ignoriert, während Erderwärmung und Umweltschäden zunehmen und die Gesundheit von immer mehr Kindern bedrohen. Die Bundestagsabgeordnete Charlotte Schneidewind-Hartnagel (Bündnis 90/Die Grünen) sieht eine politische Verantwortung, allen Kindern das Aufwachsen in einer gesunden Umwelt zu ermöglichen.
Um dem Thema „Umwelt und Kindergesundheit“ zu größerer Aufmerksamkeit zu verhelfen, lud sie am Mittwoch (17. Februar 2021) Gäste aus Politik, Kinder- und Jugendmedizin und Interessierte zu einer Diskussion im digitalen Raum ein. Zudem wird sie das Thema in den Mittelpunkt ihrer Zeit als Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestages rücken. Schneidewind-Hartnagel übernahm das Amt turnusgemäß Mitte Februar 2021.
Gesunde Umwelt für alle ist Gerechtigkeitsfrage
„Eine gesunde Umwelt für alle ist auch eine Gerechtigkeitsfrage“, sagte die Familienpolitikerin. Dr. Leonhard Haaf, grüner Landtagskandidat für den Kreis Main-Tauber und selbst ehemaliger Kinder- und Jugendarzt, wies auf die mittlerweile zur Volkskrankheit avancierten Allergien hin. Welche Einflüsse die Umwelt auf die Kindergesundheit habe, sei in den Kinderarztpraxen deutlich zu sehen. Es seien viele Krankheiten auf dem Vormarsch, die auf umweltbedingte Ursachen zurückgeführt werden könnten, erklärte Haaf. Er forderte, die Gesundheitspolitik müsse diesen Zusammenhang ernster nehmen.
Teil der Gerechtigkeitsfrage ist laut Schneidewind-Hartnagel auch, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu verbessern und die Behandlung umweltbedingter Gesundheitsfolgen gerechter zu finanzieren. „Die Gesellschaft darf das Risiko nicht auf die Eltern abwälzen“, erklärte die Bundestagsabgeordnete. „Eltern dürfen nicht damit allein gelassen werden, wenn ihre Kinder giftigen Stoffen ausgesetzt sind. Es gibt hier ganz klar die politische Verantwortung, dass alle Kinder gleichermaßen in einer gesunden Umwelt leben können.“ Prävention in Form von Umwelt- und Klimaschutz sei hierbei wichtig, so Schneidewind-Hartnagel. „Das Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt ist viel mehr als nur der Schutz vor umweltbedingten Gesundheits- und Entwicklungsrisiken. Das Recht auf eine gesunde Umwelt bedeutet auch die Sicherheit, in einer über Generationen intakten Umwelt aufzuwachsen.“
Weg zu allergiefreier Umwelt führt über Europa
Zu Gast in der digitalen Diskussionsrunde war auch Dr. Bettina Hoffmann. Die Sprecherin für Umweltgesundheit der grünen Bundestagsfraktion rückte die Gesundheitsschäden durch Schadstoffe und Allergene in den Mittelpunkt. „97-100 Prozent der untersuchten Kinder und Jugendlichen sind mit stark allergieauslösenden Umweltchemikalien wie Weichmachern und Duftstoffen belastet“, so Hoffmann. Sie forderte eine nationale Strategie im Umgang mit belastenden Stoffen sowie eine gemeinschaftliche Chemikalien-Strategie der EU, um zu einer allergiefreien Umwelt zu gelangen. „Verschleppungen von Zulassungsverfahren muss auch auf europäischer Ebene gegengesteuert werden. Und es sollten Gruppen von Stoffen wegen ihrer Wirkmechanismen – und nicht einzelne Produkte – verboten werden.“
Schneidewind-Hartnagel hob hervor, dass zur Gerechtigkeit auch gehöre, dass alle Eltern Zugang zu Informationen und zu gesunden Produkten haben müssten. Um ihre Kinder zu schützen, können Eltern laut der Bundestagsabgeordneten Hoffmann auf Apps wie „Nestbau“ oder „Giftfrei einkaufen“ zurückgreifen. Diese würden Kosmetikartikel, Reinigungsmittel, Renovierungsbedarf, Spielsachen, Babypflege, Textilien und Bekleidung abdecken. Aus dem Fachpublikum wies Dr. Rolf Ebert, Kinder- und Jugendmediziner und Allergologe aus Tauberbischofsheim, auf die Website www.allum.de hin, die Internetberatung im Bereich Allergie und Umwelt bietet.
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