Haushaltsrede 2025/2026

Am 15.12 wurde der Haushalt des Jahres 2026 auf den Weg gebracht.

Im Folgenden finden Sie die Haushaltsrede unserer Fraktionsvorsitzenden, Katharina Saur,

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren Ortsvorsteher und Stadtteilbeiratsvorsitzende,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Stadtrats,

sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung,

sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,

pünktlich zum Jahresende können wir den Haushalt für das kommende Jahr zur Beschlussfassung bringen.

Die zentralen Kennzahlen wurden von der Verwaltung sowie von meinen Vorrednerinnen und Vorrednern bereits ausführlich dargestellt. Ich möchte mich daher auf einige ausgewählte Punkte konzentrieren, die für unsere Fraktion von besonderer Bedeutung sind.

1)        Notfallversorgung vor Ort

Viele Hürden mussten überwunden werden und auch jetzt sind wir noch nicht ganz am Ziel angekommen – die Einmaligkeit dieser Entwicklung zeigt dennoch die Beharrlichkeit aller Beteiligten und das lösungsorientierte Arbeiten für ein gemeinsames Ziel: Das Widereinrichten einer Notfallversorgung vor Ort.

Dass die Unterstützung für dieses Projekt ungebrochen ist, belegen die über eine Million Euro, die bislang von Privatpersonen, Nachbarkommunen und Unternehmen aufgebracht wurden. Das ist eine außergewöhnliche Leistung und ein starkes Zeugnis für die Verbundenheit der Menschen mit unserer Region.

Auch bundesweit wurde dieses Engagement gewürdigt – Wertheim wurde als Innovationsort des Jahres ausgezeichnet.

Wir setzen darauf, dass die vertraglich vereinbarte 24/7-Notfallversorgung nun zeitnah vollständig umgesetzt wird und der Wertheimer Bevölkerung in vollem Umfang zugutekommt.

2)        Kinder- und Jugendliche in ihrer Entwicklung fördern

Die gute Begleitung von Kindern und Jugendlichen war und ist für uns ein zentrales Anliegen.

Deshalb freuen wir uns sehr, dass unser Antrag vom März nun eine Mehrheit gefunden hat und die 0,5-Stelle in der Jugendarbeit aufgestockt wird. Ebenso begrüßen wir ausdrücklich die Schaffung einer zusätzlichen Stelle in der Schulsozialarbeit.

Dass wir hier auf dem richtigen Weg sind, zeigen auch externe Anerkennungen: der 8er-Rat als Modellprojekt mit Vorbildcharakter sowie die erneute Auszeichnung als „Familienbewusste Kommune Plus“.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Schulsozialarbeit von einer starken Landesförderung profitiert, die 2012 von der grün-roten Landesregierung eingeführt und unter grün-schwarzer Verantwortung in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet wurde.

Es ist uns zudem ein Grundanliegen eine gute Betreuungssituation für Kinder und Erziehende herzustellen und für Eltern die notwendige Planungssicherheit zu gewährleisten, denn bereits im frühen Kindesalter werden entscheidende Weichen für Chancengleichheit gestellt. Wir sind zuversichtlich, dass in der kürzlich eingerichteten Arbeitsgruppe gemeinsam tragfähige Lösungen für die kommenden Jahre erarbeitet werden können.

3)        Klimaschutzkonzept, Verpackungssteuer & Energiewende vor Ort

Mit dem Beschluss des Klimaschutzkonzepts und der Verlängerung der Stelle des Klimaschutzmanagers sind wichtige Grundlagen gelegt. Nun erwarten wir, dass die einzelnen Maßnahmen zügig umgesetzt werden und sowohl Verwaltung als auch Gemeinderat bereit sind, die dafür notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Für die Zukunft befürworten wir ausdrücklich die Verstetigung der Stelle des Klimaschutzmanagers, um mittel- und langfristige Projekte verlässlich voranzubringen.

Unser Antrag zur Einführung einer Verpackungssteuer nach dem Konstanzer Modell wird in einer der kommenden Sitzungen beraten. Aus unserer Sicht würde dies den Willen des Gemeinderats zum Klimaschutz unterstreichen, zusätzliche Mittel für Umweltprojekte generieren und – bei sinnvoller Ausgestaltung – keine übermäßige Belastung für die Gastronomie darstellen. Im Gegenteil: Ziel ist es, den Umstieg auf Mehrwegsysteme zu unterstützen und damit auch Vorteile für Betriebe zu schaffen. Wir freuen uns auf die anstehende Diskussion.

Das Thema Windenergie wurde nach umfassender Bürgerbeteiligung im Jahr 2025 auf die Zielgerade gebracht. Die überwiegende Mehrheit der Wertheimer Grünen befürwortet diesen wichtigen Schritt um unsere Stadt und den Main-Tauber-Kreis bei der Energiewende voranzubringen – auch im Forstbereich.

Selbstverständlich wäre auch uns eine stärkere Nutzung bereits versiegelter Flächen – wie Dächer, Parkplätze oder weniger wertvolles Ackerland – lieber. Die tatsächlichen Möglichkeiten der Stadt und die Gegebenheiten vor Ort lassen dies aber weder kurz- noch mittelfristig in ausreichendem Maße zu. Daher bleibt es eine Abwägungsentscheidung.

Wir sind indes davon überzeugt, dass der geplante Bau der Windenergieanlagen mit geeigneten Ausgleichsmaßnahmen begleitet wird und setzen uns explizit dafür ein, diese auf Wertheimer Gemarkung umzusetzen, etwa mit Maßnahmenvorschlägen des Biotopverbundplans.

Es ist abschließend nochmals positiv hervorzuheben, wie findig die Verwaltung war, um die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu erreichen und vor allem Mitspracherecht und Gestaltungsspielraum der Stadt Wertheim und damit der Bürgerinnen und Bürger zu maximieren.

4)        Fahrradinfrastruktur

Insbesondere an den Hauptachsen Wertheim-Bestenheid und Wertheim-Reinhardshof tut sich was. Nächstes Jahr folgt noch die Odenwaldbrücke als Schwachstelle der Verbindung von Wertheim Ost nach Bestenheid und die Machbarkeitsstudie für einen Radweg zwischen Bestenheid und dem Reinhardshof geht in die nächste Runde.

Für uns steht dabei vor allem der Alltagsradverkehr im Fokus. Durch E-Bikes ist die hügelige Topografie Wertheims heute für viele kein Hindernis mehr. Strecken, die früher als unattraktiv galten, können inzwischen bequem zurückgelegt werden – ein großes Potenzial für Gesundheit und Klimaschutz.

5)        Wohnen

Oft diskutierten wir dieses Jahr über stark gestiegene Erschließungskosten und hohe Baulandpreise. Folgerichtig beantragte die SPD, Ideen zu entwickeln um Wohnen nicht zur sozialen Frage werden zu lassen. Neben dem konkreten Finanziellen ist aus unserer Sicht allerdings auch die Versiegelung und weiterhin starke Ausweisung von Wohngebieten ein soziales Thema, denn in den nächsten Jahren werden viele Häuser, die heute noch von der Generation der Babyboomer bewohnt werden, voraussichtlich auf dem Markt landen.

Unser Ziel sollte es sein, Menschen zu ermöglichen im eigenen Ort selbstständig alt zu werden und gleichzeitig jungen Familien Perspektiven zum Entfalten zu bieten. Barrierefreie Wohnungen, kombiniert mit gezielter Renovierungsförderung, erscheinen uns nachhaltiger, um lebendige Ortschaften zu erhalten als eine übermäßige Ausweisung neuer Baugebiete.

6)        Diskussionskultur & Zusammenarbeit

Auch wenn wir auf kommunaler Ebene arbeiten, spüren wir die Auswirkungen von Bundes- und Landespolitik – insbesondere den zunehmenden Vertrauensverlust in demokratische Institutionen und die gesellschaftliche Polarisierung.

Zum Glück sind die Diskussionen in unseren Gremien bisher zumeist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt, auch wenn unsere Meinungen oder Prioritäten unterschiedlich sind. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

Ich sehe es daher als unser alle Aufgabe im jeweiligen Einflussbereich dieser Entwicklung mit lösungsorientierter Sachpolitik statt parteipolitischem Taktieren entgegenzuwirken. Jede Person in diesem Raum bringt ihre eigene Expertise mit, Verwaltung wie Politik. Um das beste Ergebnis zu erzielen, müssen wir uns gegenseitig erst nehmen und bereit sein, Argumente wirklich nachzuvollziehen.

Dies wünsche ich mir von allen Beteiligten, auch in den kommenden Wahlkampfzeiten.

 

Vielen Dank an alle Beteiligten für die konstruktive Zusammenarbeit

 

 

Katharina Saur

Stadträtin

Fraktions- & Vorstandsvorsitzende

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Wertheim

 

 

Es gilt das gesprochene Wort

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