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Anbindung der alten Eisenbahnbrücke scharf kritisiert


Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen: Bilanz gezogen und sich zu kommunalpolitischen Themen geäußert

Wertheim. In der Jahreshauptversammlung des Ortsverbands von Bündnis/Die Grünen im Hotel "Bronnbacher Hof" standen außer dem Jahresrückblick über die Aktivitäten des Ortsverbands, den Berichten von Stadtrat Richard Diehm und Kreisrat Eberhard Feucht auch Neuwahlen auf der Tagesordnung.

Vorstandsmitglied Birgit Väth blickte auf 17 Ortsverbandssitzungen und eine Veranstaltung mit Landesvorstandsmitglied Brigitte Schmid zurück, die Zukunft der Schullandschaft betreffend. An weiteren Engagements listete die Vorsitzende die Teilnahme am Energietag Baden-Württemberg auf.

Schwerpunktthemen seien die Verhinderung des Abrisses des Roten Hauses in der Friedleinsgasse gewesen, ebenso wie der geplante Schrägaufzug zur Burg und die Zukunft des Wertheimer Krankenhauses. Der Ortsverband hoffe, dass die Stadtentwicklungsgesellschaft beim Roten Haus am Ball bleibe und den Abriss des Frührenaissancebauwerks verhindern möge.

Zwei Alternativen erscheinen den Mitgliedern nach wie vor als sinnvoller als eine Stadtbildverschandelung durch den Schrägaufzug, nämlich die Anbindung über die Eicheler Steige und notfalls über die Schlossbergkaverne.

In Sachen Krankenhaus könne man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Stadtoberen eine Investorenlösung favorisierten, was bekanntermaßen die schlechteste Lösung für alle Beteiligten wäre. Nur so könne man die teils fadenscheinigen Argumente gegen die Fusion mit dem Kreiskrankenhaus in Tauberbischofsheim erklären, heißt es weiter in einem Pressebericht des Ortsverbandes. Zum Schluss wies die Vorsitzende auf eine Neuerung der aktualisierten Homepage hin, nämlich einen CO2 Rechner, mit dem man seinen eigenen Schadstoffausstoß beim Autofahren ausrechnen könne.

Väth appellierte an die Mitglieder sowie Sympathisanten des Ortsverbands, sich hinsichtlich des 2008 anstehenden 25-jährigen Bestehens und der Kommunal- und Kreistagswahlen zu engagieren: "Wenn der Ortsverband noch eine Chance haben will, muss jetzt ein Ruck durch unsere Wählerschicht gehen."

Richard Diehm legte in seinem Bericht den Schwerpunkt auf ökologische Themen. So sei der Flächenverbrauch in Wertheim nach wie vor viel zu hoch. Mit jeder Neuerschließung verringere sich der Gewinn für den Stadtsäckel und die Stadtwerke. Er stellte die Amortisierung von Infrastrukturmaßnahmen in Frage und befürwortete die Förderung von Hofreitenprogrammen, da die Infrastruktur hier schon vorhanden sei. Und wenn schon Neubaugebiete sein müssten, dann, wie in Marktheidenfeld, nur bei gleichzeitiger Einführung eines Ökokontos für Bauplatzbewerber.

Energiesparfördertöpfe könne die Stadt aus einem Anteil an der von den Stadtwerken zu entrichtenden Konzessionsabgabe für Strom und Gas finanzieren. Die Stadt selbst müsse Vorbild beim Energiesparen sein, indem sie etwa konsequent alle öffentlichen Gebäude dahingehend modernisiere, dass der Wärmeschutzstandard um 20 Prozent unterschritten werde. Weiterhin sollte der Strombedarf durch Ökostrom gedeckt werden. Nur so könne Wertheim seinen Beitrag zum aktiven Klimaschutz leisten. Im Übrigen müsste die Stadt dringend die Beleuchtung öffentlicher Gebäude reduzieren.

Kreisverkehre statt Ampeln

Auch Diehms Vorschläge zur CO2-Reduzierung, was den fließenden Verkehr angeht, stießen auf Zustimmung seitens der Mitglieder. Warum müsse beispielsweise die Freudenberger Firma Rauch Spanplatten aus Würzburg per Lkw erhalten, statt per Schiff oder Schiene? Er könne sich Kreisverkehre vorstellen in Eichel beim Norma-Neubauareal, einen weiteren statt der Ampel bei der Schwarzwaldstraße, auf der Todeskreuzung zwischen Höhefeld und Neubrunn, beim Möbelmarkt Eitel sowie zwischen den beiden Tankstellen in Bestenheid.

Zudem solle die Stadt noch weitere Geschwindigkeitsanzeigegeräte beschaffen und auf dem Gemeindeverbindungsweg Wartberg - Bestenheid, wie von den Anliegern gefordert, eine Radarmessanlage installieren.

Diehm schlug die Umstellung des städtischen Fuhrparks auf Erdgasfahrzeuge vor und kritisierte massiv die geplante Anbindung der alten Eisenbahnbrücke an den Knackenberg. "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten", warnte der Stadtrat vor der für ihn "irrsinnigen Baumaßnahme" zumal, wenn ein Neubau des Krankenhauses an anderer Stelle bevorstehe.

Kreisrat Eberhard Feucht wies die Mitglieder auf positive Gestaltungsmomente durch die Landkreisverwaltung hin. So sei das Vorhaben, eine Energieagentur für den Main-Tauber-Kreis einzurichten, zu begrüßen. Der Kreis wolle bis 2020 alle Liegenschaften auf die Nutzung von ausschließlich regenerativen Energiequellen umstellen. Das dafür zuständige neu zu schaffende Gebäudemanagement werde Kraftwärmekopplung und Photovoltaik, wo immer möglich und sinnvoll, installieren. Feucht war im damit befassten Kreistagsausschuss auf Unverständnis gestoßen, als er das Gremium auf die Tatsache hinwies, dass die Stadt Wertheim Photovoltaik in der Altstadt nicht dulden wolle.

Positive Entwicklungen

Positiv erwähnte Feucht auch die Schaffung des Eigenbetriebs "Kloster Bronnbach" und das Rufbusangebot für die Strecke Wertheim - Würzburg an Wochenenden. Die Westfrankenbahn könne zukünftig noch kundenfreundlicher werden, beispielsweise was die Mitnahmemöglichkeit von Fahrrädern angehe. Ebenfalls positiv erwähnte der Kreisrat die geplante Kreisvergärungsanlage, welche durch die energetische Nutzung der Abgase umweltfreundlicher sei als die vorhandene Kompostierungsanlage. Auch die Einführung der Papiertonne sei positiv.

Schließlich sei die einstimmig gefasste Resolution gegen Monsanto zu loben. "Ein gentechnikfreier Main-Tauber-Kreis, das ist doch was", so Feucht. Er verhehlte dabei nicht, dass sich das Nachbarland Polen bereits gänzlich gentechnikfrei erklärt habe.

Anschließend wurde der alte Vorstand entlastet. Bei den von Jürgen Walter geleiteten Neuwahlen wurden Birgit Väth und Eberhard Feucht einstimmig zur Doppelspitze gewählt. Ebenso Jutta Weimer, Richard Diehm und Hans Müller-Rodenbach als Beisitzer.

© Fränkische Nachrichten - 18. März 2008