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Ortsverein der Grünen war unterwegs: ältesten Nationalpark Deutschlands besucht


Argumente gegen Schutzgebiet geprüft

Wertheim. Cem Özdemir nach Hexenschuss in Wertheim
Der Ortsverein der Grünen besuchte kürzlich Grafenau und den Nationalpark Bayerischer Wald.
Anlass war die nach Aussage der Vereinsmitglieder „hochemotionale und für den Aussenstehenden oft undurchschaubare Diskussion“ über das Projekt Nationalpark Nordschwarzwald, das erste Gebiet dieser Art in Baden-Württemberg. Man wollte sich ein eigenes Bild über den ersten Nationalpark (NP) Deutschlands, der 1973 gegründet wurde, machen. Dabei sollten besonders auch vor Ort die Einwände der Nationalparkgegner im Nordschwarzwald geprüft werden.
Von der Veranstaltung ging uns von der Partei der folgende Bericht zu.

Bei einer fünfstündigen Wanderung auf den 1370 Meter hohen Lusen gab es interessante Ausführungen des Leiters der Nationalparkwacht, Michael Grossmann.
Der NP Bayerischer Wald umfasst 240 Quadratkilometer (fast ausschliesslich Staatswald). Der NP Nordschwarzwald soll auf zwei Teilflächen zusammen 100 Quadratkilometer umfassen, die kleinste zulässige Ausdehnung für einen Nationalpark. Grossmann wies auch darauf hin, dass weltweit mehr Geld mit illegalem Holzverkauf verdient werde, als im illegalen Drogenhandel. Gerade die Hintermänner dieser Praktiken unterstützten die Kampagnen gegen die Nationalparks. Der erste Eindruck beim Gang durch den NP ergab für die Wertheimer besonders in den höheren Lagen zunächst ein eher abschrecken des Bild von aufgrund des Borkenkäferbefalls abgestorbenen Bäumen.

Dann sei aber zu erkennen gewesen, dass dazwischen ein neuer wilder Wald mit zurzeit etwa sechsjährigen Bäumen heranwächst. Die These der NP-Gegner, durch die Ausbreitung von Farnen und Beeren könnten die Bäume nicht nachwachsen, sah man am Lusen nicht bestätigt.
Grossmann erklärte, dass pro Hektar bei Naturverjüngung zirka 4000 Bäume austreiben, von denen naturgemäss nur ein Zehntel die volle Grösse erreichen. Der Hauptnährstoff der Jungbäume sei das Totholz. Als Schutz des umliegenden Privatwalds vor dem Borkenkäfer gebe es einen 500 Meter breiten Streifen, in dem befallene Bäume gefällt und entsorgt werden.
Angesichts des Arguments der NP-Gegner im Nordschwarzwald, dass durch diesen Arbeitsplätze vernichtet würden, verwies man auf die im NP Bayerischer Wald 1000 neu geschaffenen Arbeitsplätze. Zudem sei eine zusätzliche Infrastruktur an Wanderwegen oder der Baum-Wipfelpfad entstanden. Auch gebe es Forschungsprojekte und Wildniscamps für Schulklassen. Momentan verzeichne der Park zirka 500 000 Besucher pro Jahr. Sämtliche Kosten des Nationalparks trage das Land.
Am nächsten Tag vertieften die Wertheimer ihre gewonnenen Erkenntnisse bei einem Frühschoppen mit Vertretern des Bund, von Pro Nationalpark und Fachleuten der Verwaltung. Dabei wurde festgestellt, dass nicht nur die zuständigen Minister und Beamten der bayerischen Staatsregierung, sondern auch der Grossteil der einheimischen Bevölkerung das Projekt unterstützen. Als Fazit des Besuchs stellten die Grünen fest, dass es noch immer bei einigen Waldbesitzern „weitgehend unbegründete Vorbehalte“ gegen den Nationalpark gebe, dieser aber insgesamt der strukturschwachen Region einen anhaltenden Aufschwung im Tourismus und einen Ausbau der Infrastruktur gebracht habe.

Info: Der Ortsverein Wertheim plant im nächsten Jahr eine Veranstaltung mit Vertretern von Pro Nationalpark Nordschwarzwald.
Weitere Informationen zu dem Thema gibt es im Internet auf der Homepage dieser Bürgerinitiative unter pro-nationalpark-schwarzwald.de

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 26.10.2013